WENN ALLES ZU VIEL WIRD …





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wenn alles zu viel wird

Es ist Samstag, früher Nachmittag. Ich ziehe mich leise ins Schlafzimmer zurück, bin total geschafft. Die ganze vergangene Woche war ich überdurchschnittlich müde, bin von der Arbeit nach Hause gekommen und musste mich erst mal hinlegen, kurz schlafen. Die starken Kopfschmerzen, die mich seit dem Frühsommer fast täglich begleiten, fordern langsam körperlich ihren Tribut.
Tränen strömen über meine Wangen, plötzlich, unerwartet. Ich kann sie nicht zurückhalten. Bin im ersten Moment von mir selbst überrascht. Ich weine selten, bin kein über die Maßen emotionaler Mensch und setze mich am liebsten gleich gar nicht mit meiner Gefühlslage auseinander … Außerdem geht’s mir ja eigentlich gut, oder? Ich habe doch alles. Ich habe einen Mann an meiner Seite, der mich über alles liebt, wunderbare Freunde und einen tollen Job, den ich wirklich gerne mache. Warum also beschweren? Aber da ist noch etwas anderes. Dieses Gefühl einer plötzlichen Ohnmacht. Und da wird es mir klar: Mir wird einfach alles zu viel. Ich kann nicht mehr.
Ganz genauso ging es mir letzten Samstag. Aus diesem Grund habe ich mir gedacht, ich bringe selbsttherapeutisch einfach mal zu Papier, was mich gerade bewegt. Vielleicht fällt es dadurch ja leichter, darüber zu reflektieren, vielleicht auch etwas zu ändern. Und bitte versteht mich nicht falsch, ich will mich nicht bei euch beschweren, euch langweilen oder euch gar runterziehen, aber vielleicht geht es ja jemandem ähnlich. Vielleicht findet sich ja jemand von euch in diesen Zeilen wieder.

immer mehr, mehr, mehr

Wenn sich etwas wie ein roter Faden durch mein erwachsenes Leben zieht, dann ist es das Streben nach mehr. Und ich gestehe, ich bin eben ein Workaholic aus Leidenschaft und wusste immer schon, was ich später sein wollte: erfolgreich. Mit 21 habe ich beschlossen eine Unikarriere einzuschlagen und das war wohl auch der Punkt, an dem ich zum Workaholic wurde. Viele werden jetzt wohl denken: Studium ist doch kein Job! Wenn das Studium allerdings 80 bis zu 120 Wochenstunden (nö, wirklich kein Scherz) umfasst, dann ist das Arbeitspensum nicht zu unterschätzen. Aber ob es nun das Studium, die Arbeit oder meinem Blog (war das nicht mal ein Hobby?) betrifft – ich gebe immer 150%. Allerdings merkt man dabei nicht, wie man langsam beginnt, sich in seiner Arbeit aufzulösen. Die Arbeitsstunden werden immer länger, das Arbeitspensum immer mehr. Es gibt keine Freizeit mehr, keinen Feierabend. Du bist nur noch das, was du leistest – und es ist dennoch nie genug.
Und plötzlich merkst du, dass du von dir selbst so viel forderst, dass du manchmal nicht mehr weißt, ob du diesen Level weiter halten kannst. Und dann kommt die Angst, die Angst, sich selbst nicht mehr gerecht zu werden. Dich und auch andere zu enttäuschen. Denn die Menschen um dich herum gewöhnen sich schnell an deine Leistung. Man kann nicht einfach so Stop sagen! Oder kann man? Und so habe ich mich die letzten Jahre immer mal wieder stark ausgebrannt gefühlt, als würde ich keinen Tag so weitermachen können. Und ich frage mich: Ist Erfolg heute zur Norm geworden? Oder habe ich mir Erfolg selbst zur Norm gemacht?

go on …

Ich halte es kaum aus, auch nur eine Minute am Tag nichts Sinnvolles zu machen. Zu sehr liebe ich das Gefühl, etwas geleistet zu haben und das treibt mich auch immer wieder an. Manchmal frage ich mich, ob ich überhaupt noch irgendetwas ohne Leistungsdruck machen kann? Bin ich letztendlich gar süchtig nach Erfolg, nach dem Lob und der Anerkennung? Oder hat es wirklich etwas mit dem heutigen Zeitgeist zu tun?
Was ich nämlich trotz aller Liebe zur Arbeit öfter bemerke: Die Dreifachbelastung aus Job, Dissertation und Blog, dazu der Freizeitstress mit Freunden und Familie ist nicht immer leicht zu tragen. Und dennoch legt man Charakterzüge, Gewohnheiten, die man über viele Jahre antrainiert hat, nicht so einfach ab. Und schließlich geht’s dann ja doch wieder irgendwie. Werde ich es diesmal schaffen, wirklich etwas zu ändern? Oder nimmt mich mein gewohnter Leistungstrott auch zukünftig wieder voll gefangen? Ich will ehrlich sein. Ich weiß es nicht.

Startet gut in die neue Woche,
xx Sarah-Allegra


Pics by Peter Grüllenberger and me

Folge:

16 Kommentare

  1. 15. September 2017 / 10:23

    Sehr inspirierend geschrieben <3 Und so richtig herbstliche Stimmung 🙂

    Ich wünsche dir einen wunderschönen Tag 🙂

    Liebe Grüsse
    Michaela

    Michaelablog
    Bloglovin
    ,

  2. 15. September 2017 / 10:40

    Danke für den ehrlichen Text und ich kenne die Gefühle sehr gut, die du beschreibst. Vor ein paar Wochen ging es mir ähnlich und da bin ich mit allen Dingen runtergefahren und mache nun weniger. Seit dem geht es mir besser :-*

  3. 15. September 2017 / 14:03

    liebste Sarah-Allegra,
    du glaubst gar nicht WIE SEHR ich mich in diesem Beitrag und deinen Worten wieder finde!
    irgendwie schaffe ich es einfach kaum abszuschalten … es gibt immer was zu tun und dann finde ich mich zwischen dem Gefühl nehr zu wollen, und besser, und dem Bedürfnis einfach mal auf den Off-Knopf zu drücken!
    ich glaube das ist ein ganz typisches Problem unserer sozio-medialen Welt, weil wir uns so viel vornehmen, beeinflusst von alledem was möglich ist und uns offen steht 🙂

    bisher habe ich immer noch kein Rezept gegen diese Situtation gefunden, aber das ist sicher auch etwas individuelles.
    fühl dich ganz lieb gedrückt und komm gut ins Wochenende meine Liebe,
    ❤ Tina von http://liebewasist.com

  4. 15. September 2017 / 16:42

    Wow, so schöne Worte! Ich kann das total nachvollziehen und bin in einer ähnlichen Lage.
    Deswegen fahre ich auch bald in den Urlaub und hoffe danach durchstarten zu können.

    Liebe Grüße und ein traumhaftes Wochenende!
    Celine von http://mrsunicorn.de

  5. 15. September 2017 / 20:19

    Meine Liebe…

    witzigerweise ging es mir im Jahr 2013 genau so, wie dir jetzt. Mein Blog wurde langsam erfolgreicher, bekannter, die ersten großen Kooperationen bahnten sich an und ich hatte gleichzeitig einen Vollzeitjob als Klassenlehrerin einer 3. Klasse, zudem machte ich eine zusätzliche Ausbildung zur Kreativpädagogin und ich habe nichtmal gemerkt, wie meine Augenringe immer dunkler wurden, wie ich immer mehr Kilos abnahm, immer mehr RedBull, immer weniger Schlaf, irgendwann nur noch so ca. 4 Stunden pro Nacht.

    Dann habe ich die Reißleine gezogen, weil es nicht mehr ging. Ich habe eine Entscheidung treffen müssen – Festanstellung als Lehrerin oder Freiberuflich als Bloggerin. Ich habe mich für zweiteres entschieden und seid dem ging es stetig bergauf, ich wurde entspannter, meine Kopfschmerzen (die ich original 4 Jahre lang fast durchgängig hatte) verschwanden…

    Manchmal muss man wissen, wann es Zeit ist, etwas zu ändern. Ich hoffe, du erkennst sowas oder so etwas ähnliches auch bald 🙂

    Ganz ganz liebe Grüße auf jeden Fall und ein tolles Wochenende!

    Ricarda von CATS & DOGS: http://www.wie-hund-und-katze.com

  6. 16. September 2017 / 19:14

    Oh ich kann dir komplett nachfühlen Liebes! Ich bin auch eher eine Person, die gerne zu viel macht, weil ich es einfach will. Doch manchmal muss selbst ich mich dazu zwingen, eine Pause einzulegen. Ich bin mir sicher du kriegst das super hin. Ich wünsche dir ganz viel Durchhaltevermögen <3
    xx, Carmen – http://carmitive.com

  7. Leni
    17. September 2017 / 20:11

    Hi liebe Sarah-Allegra! 🙂
    Ich finde mich in deinem Blogpost total wieder. Vor ein paar Wochen ging es mir ähnlich wie dir. Neben dem Blog arbeite ich Vollzeit in einer Social Media Agentur. Doch je länger ich bloggte desto mehr Anfragen kamen und umso schwieriger wurde es beides zu vereinen. Zum Glück konnte ich in der Agentur die Stunden reduzieren und habe jetzt die perfekt Kombi.
    Mach dich nicht verrückt! Du wirst bestimmt deinen Weg finden!
    Xo Leni
    http://www.theblondejourney.com/

  8. 17. September 2017 / 22:17

    Hi! Zuerst muss ich sagen, dass Du ein super Blog und sehr schöne Fotos hast. Deine Artikel finde ich auch super. Mir ging es auch ähnlich wie Dir früher. Deshalb habe ich mit der Meditation angefangen, wo ich richtig ausschalten konnte und nur auf mich konzentrierte. Probier es zum Beispiel mit Sahaja Yoga. Ich meditiere fast einen Tag. Durch Meditation lernst auszuschalten und auch die Sachen einfacher anzunehmen.
    Super dass du fleißig und leistungsfähig bist, aber was hilft Dir das, wenn Du nicht richtig relaxen kannst und selbst darunter leidest.
    https://simplelivingstylebyvera.blogspot.co.at/

  9. 18. September 2017 / 18:43

    Liebe Sarah,

    toll, dass du so privat von dir erzählst. ich denke, dass viele, die einen Job haben und “nebenbei” bloggen, ständig überfordert sind. Ein Blog Post sieht aus, als ob man nur 5 Minuten investiert hat, dabei sind es viele Stunden. dann kommt noch Instagram dazu. das ist alles sehr zeitintensiv. Ich war früher auch eine Perfektionistin in allen Bereichen bissig meinen Tochter bekam. Danach war sie die Nummer eins in meinem Leben und alles veränderte sich. Will nicht heißen, dass du jetzt ein Kind bekommen sollst 🙂 Aber ich will dir sagen, dass man durchaus loslassen kann. Es geht, man muss nur wirklich wollen. Später wirst den Kopf schütteln.

    Liebe Grüße Sandra

    https://www.sandra-levin.com

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